Die Betrogene - Ein Ehedrama

Die Betrogene

Wie so oft, saß Ulrike auch an diesem Abend mal wieder allein vor dem Fernseher und schaute sich irgendeine dieser langweiligen Wiederholungen an, die in der letzten Zeit so oft kamen. Gelangweilt griff sie in die Schale mit den Chips und trank dazu einen Schluck Wein. Hin und wieder schaute sie auf die Uhr. „Wo bleibt er denn so lange,“ murmelte sie leise und unzufrieden vor sich hin. Ulrike war in den letzten Monaten abends oft allein. Seit ihr Mann vor einem Jahr zum Abteilungsleiter aufgestiegen war, lebte er nur noch für seinen Beruf. Oft ertappte Ulrike sich dabei, dass sie an diesen Abenden zu viel naschte und sich auch mal ein Glas Wein zu viel gönnte. Ihre Tochter Stefanie, sechs Jahre alt und ihr Sohn Johannes, acht Jahre alt, waren meist abends um acht Uhr im Bett. Dann begannen in der Regel Ulrikes einsame Abende..Manchmal las sie ein Buch, aber oft konnte sie sich darauf nicht konzentrieren. So schaltete sie meist den Fernseher ein und hing dabei ihren eigenen, oft trüben Gedanken nach. Etwas Süßes und ein Schluck Wein leisteten ihr dabei Gesellschaft. Nein, Ulrike war keine Alkoholikerin aber es gibt da so verschwimmende Grenzen, wo das eine Glas zu viel dann doch zur Gewohnheit werden kann. Außerdem hatte sie in den letzten Monaten etwas viel an Gewicht zugelegt.

Es war schon fast Mitternacht, als sie endlich hörte, wie der Schlüssel in das Türschloss gesteckt wurde, die Haustür sich leise öffnete und wieder schloss. Ulrike hörte Markus auf leisen Sohlen durch das Haus schleichen. Die Tür zum Badezimmer wurde geöffnet und wieder geschlossen. Wenige Minuten später kam er ins Wohnzimmer, denn er hatte den Lichtschein durch den Türspalt gesehen. „Ach, Du bist noch wach,“ sagte er und sie hatte den Eindruck, als ob ihn das nicht gerade begeisterte. „Ja ich habe auf Dich gewartet“, antwortete Ulrike. „Ich wollte wenigstens noch den Rest des Abends mit Dir verbringen, erfahren wie Dein Tag war und Dir von meinem erzählen. Seit Deiner letzten Beförderung sehen wir uns ja kaum noch.“ „Ich weiß,“ sagte Markus nun etwas ungehalten, „aber eine solch hohe berufliche Position bedeutet auch mehr Verantwortung.“ Ich habe Verantwortung für einige Tausend Mitarbeiter und da müssen oft Überstunden geleistet werden. Außerdem,“ fügte Markus hinzu, „verdiene ich erheblich mehr als vorher, sodass Du und die Kinder davon auch profitiert.“ Ulrike nickte, war damit aber noch nicht zufrieden. Sie stand auf und wollte sich an ihren Mann schmiegen, doch er schob sie energisch von sich. „Lass das,“ sagte er schroff, „ich bin todmüde. Wenn Du meinen Tag gehabt hättest, dann wäre Dir jetzt auch nicht danach.“ Schon war er zur Tür hinaus und rief ihr noch zu: „Gute Nacht Schatz, ich lege mich schon mal schlafen.“ Zurück blieb eine beleidigte Ulrike. Sie setzte sich wieder hin und schmollte. „Soll er doch,“ dachte sie, „er wird schon merken, wenn ich ihm die kalte Schulter zeige. Wenn er dann angekrochen kommt, dann lasse ich ihn auch ein paarmal abblitzen.“ Ulrike schenkte sich noch etwas Wein ein, als versuche sie damit ihren Kummer herunterzuspülen.. Als sie dann endlich aufstand um ins Bett zu gehen, da war es schon halb zwei. Sie nahm ihr Glas, die fast leere Schale mit den Chips und die leere Weinflasche mit und brachte alles in die Küche. Ulrike war ordentlich, ja man konnte fast sagen pedantisch. Keiner sollte ihr nachsagen sie sei eine schlechte Hausfrau. Anschließend wischte sie noch einmal mit einem Lappen über den Couchtisch im Wohnzimmer.

Sie schlief schlecht in dieser Nacht. Als sie sich in ihr Bett legte, da schnarchte Markus schon. Ulrike legte sich daneben und konnte nicht einschlafen. Zu viele Gedanken gingen durch ihren Kopf. Gern wäre sie zu Markus unter die Decke gekrochen, um seine Nähe zu spüren. Doch sie hatte jetzt auch ihren Stolz. So schwer es ihr fiel, sie wollte jetzt hart bleiben. Ulrike drehte sich auf die andere Seite und fiel in einen unruhigen Schlaf.
Der Wecker klingelte und Ulrike öffnete die Augen. Sie fühlte sich schlecht, denn sie hatte wenig geschlafen und zu viel Wein getrunken. Es war sechs Uhr. Ulrike stand wie jeden Morgen als erste auf, um das Frühstück für die Familie vorzubereiten. Sie ging ins Bad und erschrak, als sie in den Spiegel schaute. Aus dem Spiegel schaute ihr eine alternde Frau mit Tränensäcken entgegen. Die Haut war weiß, wirkte aufgedunsen und teigig. Aus den ehemals blond gefärbten Haaren war die die Farbe schon so weit herausgewachsen, dass man fünf Zentimeter vom Haaransatz der Naturfarbe sehen konnte. Ihre Haare, die von Natur aus eigentlich gar keine richtige Farbe hatten, waren strähnig und stumpf. Der Haaransatz zeigte ein undefinierbares Straßenköterblond, das von vielen grauen Strähnen durchzogen war. Ulrike war vor wenigen Wochen vierzig Jahre alt geworden. Sie hatte die magische Schallgrenze zum alt werden durchbrochen, was ihr Selbstbewusstsein nicht gerade hob. Erst heute fiel Ulrike so richtig auf, dass sie ihr Aussehen in den letzten Jahren doch stark vernachlässigt hatte. So penibel sie im Haushalt war, so wenig achtete sie auf ihr Äußeres. Doch auch jetzt hatte sie nicht viel Zeit, sich mit ihrem Aussehen lange aufzuhalten, denn das Frühstück musste pünktlich fertig sein. Markus musste um spätestens sieben Uhr aus dem Haus. Also nur schnell unter die Dusche, anziehen und fertig. Schon stand Ulrike in der Küche.und deckte den Frühstückstisch. Die neue Einbauküche war Ulrikes ganzer Stolz. Dunkelrote, glänzende Fronten und ein grauer Korpus gaben der Küche ein edles Aussehen. Passend dazu die Arbeitsplatte aus grauem Granit und die Spülbecken mit grauer Emaille überzogen. Natürlich war die Küche auch mit allen technischen Raffinessen ausgestattet. „So jetzt noch schnell das Brot schneiden und dann Markus wecken“, murmelte Ulrike leise vor sich hin. Ihre schulterlangen Haare hingen heute besonders strähnig herunter. Sie trug, wie so oft, ihren schon sehr ausgebeulten Hausanzug und ihre Füße steckten in ausgetretenen hellblauen Schlappen. Es war jetzt halb sieben. Ulrike ging ins Schlafzimmer und berührte ihren Mann leicht an der Schulter. „Aufstehen Markus,“ rief sie, „Du musst jetzt aufstehen.“ Ein kurzes Stöhnen und Markus öffnete langsam die Augen. „Komme gleich,“ sagte er und erhob sich langsam, Wie jeden morgen blieb er lange im Bad und kam dann zehn Minuten vor sieben in die Küche. Am Kaffeevollautomaten holte er sich seinen Cappuccino und setzte sich an den Tisch. Wie in den letzten Monaten so oft, war er auch heute Morgen sehr wortkarg. Er trank seine Tasse leer und aß eine Scheibe Brot mit Margarine und Quark. In letzter Zeit achtete Markus sehr auf kalorienarme Ernährung. Auch Ulrike redete heute Morgen nicht viel. Sie war immer noch eingeschnappt wegen gestern Abend. Das aber schien Markus gar nicht wahrzunehmen, so weit weg, wie er mit seinen Gedanken war. „Ich muss jetzt“, sagte er kurz und stand auf. „Wahrscheinlich wird es heute noch einmal später,“ sagte er und war auch schon zur Tür hinaus. Eine Minute später hörte Ulrike ihn davon fahren. Frustriert stand Ulrike auf, denn es war jetzt an der Zeit die Kinder zu wecken. Sie ging zuerst in das Zimmer von Johannes und lächelte. Immer wenn sie eines ihrer Kinder betrachtete, dann zauberte das ein Lächeln in ihr Gesicht. Schade, dass sie jetzt seinen Schlaf stören musste, aber die Pflicht rief. Immerhin ging Johannes schon in die zweite Klasse der Grundschule und musste pünktlich um 8.30 Uhr im Unterricht sein. Johannes war noch ganz verschlafen und durfte noch fünf Minuten im Bett liegen bleiben. So konnte er langsam erwachen. Jetzt ging Ulrike in Stefanies Zimmer. Stefanie war, wenn sie aufwachte, auch sofort munter. Sie war ein kleines Energiebündel und hatte immer neue Ideen. Sie war stolz darauf, einen großen Bruder zu haben, der schon in die Schule ging. Stefanie kam erst nächstes Jahr in die Schule. Sie war erst vor wenigen Wochen, Anfang September, sechs Jahre alt geworden. Seit September besuchte sie die Vorschule und sie war ganz stolz, dass sie schon einige Wörter in Druckbuchstaben schreiben konnte. Jetzt hieß es aber Beeilung. Beim Anziehen trödelte Stefanie gern, denn sie konnte sich nie entscheiden, was sie anziehen wollte. Auch Ulrike hatte natürlich ein Mitspracherecht bei Stefanies Kleiderwahl. Heute suchte Ulrike eine lange Hose und den Bärenpullover heraus. Stefanie zog die Sachen schnell an, denn sie liebte ihren Bärenpullover. Den hatte sie zusammen mit ihrem Papa gekauft. Ihren Papa liebte Stefanie abgöttisch. Auch Johannes war heute schnell angezogen. Ganz munter saßen beide Kinder am Frühstückstisch. Ulrike goss den heißen Kakao ein. „So, jetzt noch schnell die Frühstückspakete für Schule und Vorschule zubereiten und dann muss ich mich noch umziehen,“ murmelte Ulrike leise. Ulrike zog sich schnell Jeans und Pulli an und schlüpfte in ihre Jacke. Obwohl es bereits Mitte Oktober war, war es so warm wie an einem heißen Spätsommertag. Trotzdem nahm sie ihren Kindern Jacken mit. Sie stiegen in den Opel Corsa und ab ging es in Schule und Vorschule. Um kurz nach neun war Ulrike wieder zu Hause. Bis um ein Uhr hatte sie jetzt Zeit zum Putzen und Kochen. Doch heute war Ulrike nicht so ganz bei der Sache.wie sonst. Sie, die sonst ganz auf ihrer rosaroten Wolke ihres Hausfrauen- und Mutterdaseins lebte, war nachdenklich. Was war eigentlich los in ihrer Ehe? Markus machte ständig Überstunden, war er mal früher zuhause, dann war er an ihr desinteressiert. Seine ganze Freizeit widmete er den Kindern. Die brauchten ihn ja auch aber irgendwie wäre Ulrike auch gern noch wichtig für ihn gewesen. Ihr fehlten Nähe und Zärtlichkeit. Na gut, sie musste zugeben, dass sie ihr Äußeres in den letzten Jahren auch immer mehr vernachlässigt hatte. Sie war mehr Mutter als Ehefrau gewesen. Außerdem fehlte ihr auch die Zeit für Friseur, Wellness und Fitness. Sie war den ganzen Tag mit den Kindern allein und musste alle Probleme allein bewältigen. Die einzigen Ansprechpartner die sie hatte, waren ihre Eltern und ihre Freundin Bettina. Auch in den nächsten Tagen und Wochen wurde Ulrikes Stimmung nicht besser. Markus kam meistens spät und verhielt sich ihr gegenüber sehr kühl und distanziert. Ulrike begann jetzt damit, ihr Äußeres etwas mehr zu pflegen. Sie ging regelmäßig zum Friseur, kleidete sich neu ein und auch ein Besuch bei der Kosmetikerin war jetzt ab und zu wieder drin. Doch Markus bemerkte die Veränderungen nicht, jedenfalls sagte er nie etwas.

Wie jeden Mittwoch Vormittag, traf sich Ulrike auch heute mit ihrer Freundin Bettina. Meist trafen sie sich in ihrem Stammcafé. Von dort aus gingen sie dann gemeinsam shoppen. Als Ulrike das Café betrat, saß Bettina schon an einem Tisch, vor sich einen Cappuccino und ein Stück Kuchen. „Hi, Du bist ja schon da,“rief Ulrike ihr gut gelaunt zu. Sie war froh, dass sie heute mal wieder ihr Herz so richtig ausschütten konnte. „Wie geht es Dir?“ fragte Bettina. „Na ja, immer das gleiche,“ antwortete Ulrike. „Bis jetzt gibt es noch keine große Veränderung.“ „Dann musst Du eben härtere Geschütze auffahren. Ich kenne da einen ganz tollen Laden, dort gibt es wirklich die schönsten Dessous. Am besten, wir gehen nachher zusammen dort hin. Irgend etwas muss doch mal Deine Ehe aufpeppen.“ So geschah es dann auch. Beide Freundinnen gingen in den Dessousladen und Ulrike probierte alle möglichen Arten von Dessous an. Sie entschied sich für ein dunkelrotes, einteiliges Modell, das an den Rändern schwarz abgesetzt war, Dazu kaufte sie passende Strapse und schwarze Strümpfe mit einem Muster, das ihre Beine schlanker und länger wirken ließ. Beide Freundinnen waren mit dem Ergebnis zufrieden. „Ein wenig abnehmen müsste ich schon noch, aber mit der Wäsche sah ich noch einigermaßen passabel aus,“ bemerkte Ulrike. „Auf jeden Fall,“ sagte Bettina begeistert, ich fand es super. Na klar könntest Du schon noch ein wenig abspecken, aber das kannst Du ja trotzdem noch tun. Nur willst Du jetzt nicht ein halbes Jahr warten, bis Du damit beginnst Eure Beziehung etwas aufzufrischen.“ „Ja, das ist richtig,“ erwiderte Ulrike. Sie war jetzt ganz zuversichtlich, dass sie erfolgreich sein würde. Die Freundinnen verabschiedeten sich und Ulrike trat zuversichtlich ihren Heimweg an. Sie wollte nun auf die richtige Gelegenheit warten, um ihren Mann mit den neuen Dessous zu überraschen. Doch Ulrikes Geduld sollte auf eine harte Probe gestellt werden. In den nächsten vierzehn Tagen gab es dazu wenig Gelegenheit, denn Markus musste für eine Woche zu einer Tagung fahren. Ein Mitarbeiter war ausgefallen und Markus machte diese Angelegenheit jetzt zur Chefsache. Also fuhr er selbst dort hin.

Endlich stand ein langes Wochenende bevor. Es war Freitag Morgen. Ulrike hatte vor einer halben Stunde von Markus eine SMS erhalten, dass dieser pünktlich um 12.00 Uhr mittags zu Hause eintreffen werde. Schon gestern hatte Ulrike die ganze Wohnung geputzt, eingekauft und alles für einen romantischen Abend und ein gemütliches Wochenende vorbereitet. Die Kinder schliefen heute bei ihren Eltern, denn heute wollte Ulrike endlich ihren Mann so richtig verführen. Es war jetzt neun Uhr. Ulrike hatte gleich einen Friseurtermin. Da ihre Eltern die Kinder mittags von der Schule und der Vorschule abholten, brauchte sie heute keine Rücksichten zu nehmen. Ihr und ihrem Mann gehörte dieser Tag ganz allein. Es war 10.30 Uhr als Ulrike nach Hause kam. Sie ging ins Bad und zog sich um. Jetzt trug sie ihr neues, dunkelrotes Kleid, darunter die neuen Dessous. Das Essen war fertig und der Tisch war gedeckt. Ulrike war aufgeregt. Es war fünf Minuten nach zwölf Uhr, als Markus durch die Haustür trat. Ulrike empfing ihn mit seinem Lieblingsessen. Steaks, Ofenkartoffeln mit Kräuterbutter und Salat. Dazu ein teurer Rotwein. Markus stutzte, als er den für zwei festlich gedeckten Tisch sah und meinte:“Wo sind denn die Kinder? Ich hatte mich schon so auf einen gemeinsamen Nachmittag mit den beiden gefreut.“ „Sie sind heute bei meinen Eltern,“ erwiderte Ulrike, „Du kannst doch morgen mit den beiden etwas unternehmen. Meine Eltern bringen sie mittags zurück.“ „Morgen habe ich vielleicht noch im Büro zu arbeiten,“ entgegnete Markus etwas ungehalten. Ulrike merkte, wie ihre gute Stimmung langsam verflog, doch sie wollte sich nicht unterkriegen lassen. „Komm, wir essen erst einmal gemütlich und dann sehen wir weiter,“ sagte sie daher freundlich. Ulrike trug das Essen auf und Markus aß mit gutem Appetit. Jetzt oder nie dachte Ulrike als sie sagte, „ich komme jetzt mit dem Nachtisch,“ denn Markus Laune war nach dem Essen und zwei Gläsern Rotwein erheblich besser geworden. Sie ging schnell ins Bad, zog ihr Kleid aus und kam, nur in den neuen Dessous bekleidet, wieder in das Esszimmer zurück. Als sie so auf Markus zusteuerte und sich auf seinen Schoß setzen wollte sagte dieser schroff: „Ich weiß nicht was Du jetzt vor hast, ich jedenfalls werde mich jetzt ein wenig schlafen legen, denn die Woche war anstrengend.“ Mit diesen Worten schob er sie energisch von sich und verließ den Raum. So angezogen wie er war legte er sich im Schlafzimmer auf das Bett und war dann schnell eingeschlafen. Ulrike war am Ende. Wie sehr hatte sie sich auf dieses Wochenende gefreut. Welche Hoffnungen hatte sie sich gemacht, ihre Beziehung wieder zu vertiefen. Sie wollte Spannung, Erotik und Nähe in ihre Ehe bringen. Und was hatte sie erreicht? Sie hatte sich blamiert. Er hatte sie belächelt, verächtlich auf sie herabgesehen und sie behandelt, als sei sie eine Putzfrau die die wahnwitzige Idee hatte, ihn zu verführen. Ulrike fühlte sich schlecht. So schlecht hatte sie sich noch nie in ihrem Leben gefühlt. Ulrike goss sich den restlichen Wein in ihr Glas und grübelte. Seit fast neun Jahren waren sie verheiratet. Auf ihrer Hochzeit war Ulrike im sechsten Monat schwanger. Gut, wenn sie nicht schwanger geworden wäre, vielleicht hätten Markus und Ulrike dann nie geheiratet. Aber es ging doch vielen Paaren so, dass geheiratet wurde, weil ein Kind unterwegs war. Viele Ehen funktionierten trotzdem und sie waren glücklich bis zu r Silberhochzeit. Vielleicht war Ulrike nicht die große Liebe von Markus, aber sie hatten vor der Ehe sechs Monate lang eine Beziehung, in der sie viel Spaß hatten und gut miteinander auskamen. Außerdem hatte Ulrike Markus aus Liebe geheiratet und gehofft, dass auch bei ihm irgendwann die großen Gefühle für sie erwachten. Sie hatte ihm jahrelang den Rücken freigehalten und alles dafür getan, dass er ein schönes Heim hatte.

Ulrike ging in die Küche und holte sich eine neue Flasche Wein. Dieses Mal war es Weißwein, ein Riesling. In den letzten Wochen hatte sie relativ wenig Alkohol getrunken aber heute war ihr danach. Sie saß auf der Couch und heulte. Immer wieder schenkte sie sich Wein nach und bald war auch diese Flasche leer. Ulrike stand auf und wankte leicht, der Wein zeigte schon seine Wirkung. Sie ging mit ihrem Weinglas an den Barschrank und goss sich einen kräftigen Schluck Gin in das Weinglas. Auch den trank sie in einem Zug aus und schenkte noch einmal nach. Stark schwankend erreichte sie wieder die Couch. Noch in ihren neuen Dessous bekleidet, zog sie eine Decke über sich und nahm noch einen kräftigen Schluck aus dem Weinglas. Dann fielen ihr die Augen zu und der Alkohol hatte seine Wirkung voll und ganz entfaltet.

Als Ulrike aufwachte, war es schon wieder hell. Sie setzte sich auf und fühlte sich schlecht. Schwindel und Kopfschmerzen machten sich bemerkbar, als sie endlich aufstand. Ulrike ging durch die Wohnung und stellte fest, dass sie allein war. Markus war schon weg. Es war Samstag Morgen 10.00 Uhr. Und Ulrike war zum Heulen zumute. Sie stand im Bad und schaute in den Spiegel. Was sie dort sah erschreckte sie. Ein verquollenes Gesicht mit verschmierter Schminke schaute ihr entgegen. Sie sah aus wie eine alternde Prostituierte, die eine lange Nacht mit vielen Freiern gerade hinter sich gebracht hat. Ulrike ging unter die Dusche und zog sich um. Wahrscheinlich war das gestern einfach nicht der richtige Weg, dachte Ulrike. Nun hieß es Nerven behalten und einen anderen Weg probieren. Nur nicht gleich hysterisch werden, wenn es so nicht geklappt hat. Das schadet mehr, als dass es nützt. Irgendwie musste es ihr gelingen, wieder Nähe in ihre Beziehung zu bringen. Als Ulrike sich so weit wieder gefasst hatte, klingelte das Telefon und Ulrike nahm ab. Es war Bettina. „Hi meine Liebe,“ schallte es aus dem Hörer, „wie war es denn gestern Abend? Warst Du erfolgreich?“ Bettina verging fast vor Neugier, denn sie machte sich schon seit einiger Zeit Sorgen um ihre Freundin Ulrike. „Na ja, Männer eben,“ spielte Ulrike den gestrigen Abend herunter. „Müde war er der Herr Gemahl,“ sagte sie dann. „Aber macht nichts, es gibt ja noch genug Gelegenheiten.“ „Schade,“ hörte sie Bettina sagen, „ich hatte gehofft, dass es mit Eurer Ehe bald wieder etwas bergauf geht.“ „Mach Dir mal keine Gedanken,“ versuchte Ulrike ihre Freundin zu beruhigen. „Wir werden mit Sicherheit noch genug Gelegenheiten haben, einen harmonischen Abend miteinander zu verbringen.“ „Okay,“ sagte Bettina beruhigt, „dann muss ich mir jetzt keine großen Sorgen um Dich machen.“ „Nein, das musst Du nicht,“ antwortete Ulrike. „Wir sehen uns ja am nächsten Mittwoch. Dann unterhalten wir uns über alles.Ciao,“ sagte Ulrike und legte auf. Innerlich war Ulrike lange nicht so ruhig wie sie eben vorgab. Doch wollte Diskussionen und Unruhe auf jeden Fall vermeiden. Sie wollte nachdenken und andere Möglichkeiten ersinnen, um ihrem Mann irgendwie wieder näher zu kommen. Bettina war zwar ihre beste Freundin, ihre engste Vertraute, aber manche Dinge musste man einfach allein regeln, dachte Ulrike. Wieder klingelte das Telefon und Ulrikes Mutter war am Apparat. Sie teilte Ulrike mit, dass Markus die Kinder gerade bei ihr abgeholt hatte. Er wollte mit den beiden den Tag im Spielparadies verbringen und käme also erst gegen Abend zurück. Na gut, dachte Ulrike, dann hätte sie ja mal einen Tag für sich und könne in Ruhe den Haushalt machen und sich auch etwas ausruhen. Innerlich gab es ihr natürlich einen enormen Stich, dass ihre Familie den ganzen Tag ohne sie verbringen würde. Doch das wollte sie sich nicht eingestehen. Vor allem, wollte sie ihrem Mann keine Szene machen, wenn er am Abend nach Hause kam. Sie wollte über den gestrigen Tag gar nicht mehr sprechen und so tun als wäre nichts gewesen. Ulrike war davon überzeugt, dass es klug sei, einfach eine passende Gelegenheit abzuwarten, um wieder Erotik und Nähe in ihre Beziehung zu bringen.

Am frühen Abend kamen die Drei fröhlich und ausgelassen nach Hause. Die Kinder hatten einen schönen Tag im Spielparadies verlebt und auch Markus war in guter Stimmung. Das wollte Ulrike für einen harmonischen Abend nutzen. Stefanie und Johannes waren richtig aufgedreht und es dauerte lange bis sich endlich schliefen. Sie konnten sich einfach nicht von ihrem geliebten Papa trennen, den sie in der letzten Zeit so selten sahen.

Am Abend war Ulrike schon wieder sehr frustriert. Sie war aber bemüht, es sich nicht anmerken zu lassen. Sie verzichtete auf Alkohol und trank nur Wasser. Markus war freundlich aber nicht besonders daran interessiert, sich näher mit ihr zu beschäftigen. Ulrike genoss nun einfach seine Nähe, die, wie ihr schmerzlich bewusst war, derzeit nur räumlich vorhanden war. Innerlich waren sie noch immer so weit von einander entfernt, wie in den ganzen letzten Monaten. Hin und wieder ging Markus für eine halbe Stunde und sein Büro und verbrachte diese Zeit an seinem Laptop. Ulrike fragte nicht, was er dort immer machte, obwohl sie es gern gewusst hätte. Auch Markus erwähnte den gestrigen Tag mit keinem Wort mehr. Er war nach außen hin freundlich aber das war dann auch alles.

So vergingen die auch die nächsten Wochen. Markus war wie immer wenig zu Hause. Wenn er früh zu Hause war, dann widmete er seine Zeit und seine Aufmerksamkeit den Kindern. Ulrike ließ es zu und dachte, dass es vielleicht auch in anderen Ehen nach einigen Jahren so zuging, wie in ihrer eigenen.

Es war 14 Tage vor Weihnachten, als Ulrike beschloss, den Garderobenschrank im Flur wieder aufzuräumen. Sie nahm Mäntel, Jacken und Sakkos heraus, die sie dann wieder ordentlich aufhängen wollte. Da einige Jacken über einander hingen, nahm sie diese von den Bügeln und legte sie sich über den Arm. Schon fielen einige Dinge aus den Taschen der Jacken. Darunter war auch ein Schmuckkästchen vom einem der besten Juweliere der Stadt. Ulrike öffnete das Kästchen und blickte auf eine Kette aus 750er Gold mit einem Anhänger in den ein Diamant eingefasst war, der mindestens ein Karat hatte. Im Deckel des Kästchens war innen ein kleiner Zettel eingeklebt, auf den Markus handschriftlich geschrieben hatte:

Für Dich mein Liebling, weil ich Dich so sehr liebe, auch wenn ich es Dir nicht immer so offen zeigen kann, wie ich es gern möchte. In Liebe Dein Markus.

Ulrike war glücklich. Dann liebt er mich ja doch noch, dachte sie. Sie wollte nun einfach bis Weihnachten geduldig sein. Natürlich konnte er es ihr nicht immer zeige, denn so viel wie er arbeiten musste, da war eben dafür keine Zeit mehr. Ulrike verstand ihn plötzlich. Natürlich hatte sie selbst auch immer viel zu tun, doch ihre Arbeit war immer gleich. Seine jedoch, musste immer perfekt sein. Ständig neue Geschäftspartner, neue Produkte die im Unternehmen produziert wurden und immer volle Leistung bringen. Ja, Ulrike wollte jetzt einfach geduldig warten, bis Markus ihre Nähe von selbst suchte. Zufrieden räumte sie weiter auf und nahm sich vor, jetzt alles noch viel besser zu machen. In den nächsten vierzehn Tagen war Ulrike sehr gut gelaunt und auch ihre Freundin Bettina freute sich darüber. Ulrike fühlte sich so gut wie seit langem nicht mehr und auch das abendliche Glas Wein trank sie nicht mehr so oft. Wenn sie dann mal zur Weinflasche griff, dann blieb es auch nur bei einem Glas. Ulrike hatte tief in ihre Haushaltskasse gegriffen, um ihrem Mann eine teure Uhr unter den Weihnachtsbaum legen zu können. Diese hatte sie liebevoll verpackt und ihm einen regelrechten Liebesbrief dazu geschrieben.

Endlich Heiligabend! Ulrike war schon seit Tagen aufgeregt wie ein kleines Kind. Heute endlich würde sie das schöne Geschenk bekommen. Im Haus ging es schon seit Tagen zu wie in einem Bienenstock. Stefanie und Johannes freuten sich schon so auf Weihnachten, auf den schönen Baum, auf das Christkind und auf die vielen Geschenke, die immer bunt eingepackt unter dem Baum lagen. Stefanie war schon ganz aufgeregt ob auch die schöne Puppe, die sie sich so sehr wünschte, unter dem Weihnachtsbaum liegen würde. In diesen Tagen beschäftigte Ulrike die Kinder mit den weihnachtlichen Vorbereitungen. Sie halfen beim sauber machen und beim Plätzchen backen. Auch jetzt waren sie zu dritt in der Küche beim Plätzchen backen. Johannes und Stefanie waren von oben bis unten mit Teig bekleckst und sahen mit ihren mehlbestäubten Gesichtern allerliebst aus. Die Hände voller Teig, die Wangen rot und heiß, so standen die beiden am Küchentisch und stachen Plätzchen aus. Ulrike wurde warm ums Herz, als sie die beiden so betrachtete. Ein Glücksgefühl durchströmte sie. Wie glücklich ich doch bin, dachte sie. Diese beiden allerliebsten Kinder, ein toller, gut aussehender Mann und ein Leben in diesem herrlichen Bungalow am Stadtrand von München. Jetzt hatte Ulrike ein noch schlechtere Gewissen, dass sie ihrem Mann vor warf, zu wenig Zeit für sie zu haben. Immerhin war der Bungalow mit dem schönen Garten ein Eigenheim., für das Markus einen sehr hohen Kredit hatte aufnehmen müssen. Zusätzlich finanzierte er auch noch Ulrikes Opel Corsa, der auch erst knapp zwei Jahre alt war. Ja, in Zukunft würde Ulrike mehr Verständnis für ihren Mann haben. Zwischendurch telefonierte Ulrike mit ihren Eltern und lud sie für den zweiten Weihnachtstag zum Essen ein. Ulrikes Mutter freute sich sehr, denn sie liebte das Familienleben. Sie freute sich auf ein harmonisches Fest mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und den Enkelkindern. Jedes Jahr verbrachten sie daher einen der Weihnachtstage bei ihrer Tochter.

Endlich war der große Tag da. Heiligabend, der Tag auf den die Kinder und auch Ulrike schon so lange gewartet hatten. Markus war noch unterwegs, da er, wie er vorgab, noch einmal im Büro vorbeischauen musste. Er hatte dort noch wichtige Unterlagen zu holen, die er an einem der Feiertage noch durchsehen wolle. Wie er Ulrike erklärte handele es sich bei diesen Unterlagen um einen wichtigen Vertrag, der noch im alten Jahr mit einem neuen Geschäftspartner geschlossen werden solle. Daher könne er diese Angelegenheit nicht verschieben. Das leuchtete auch Ulrike ein. Da Markus einen eigenen Schlüssel zum Firmengelände besaß war das Ganze für Ulrike durchaus plausibel. Sie bat ihn nur nicht allzu spät zu kommen. Markus versprach, sich zu beeilen. Jetzt wartete Ulrike doch, denn es wurde später und noch war von Markus nichts zu sehen. Auch die Kinder fragten wo der Papa denn bliebe. Als es 16.00 Uhr war, da versuchte sie, Markus auf dem Handy zu erreichen. Doch sein Handy war ausgeschaltet. Na gut er wird schon kommen. Er weiß ja, dass die Kinder auf ihn warteten. Um 16.30 war Markus dann endlich da. „Ich habe doch etwas länger benötigt,“ entschuldigte er sich, „ich musste die wichtigen Unterlagen zu dem Vertrag noch heraussuchen, was doch etwas mehr Zeit in Anspruch genommen hat.“ Ulrike verzieh ihm natürlich, denn Hauptsache er war da und die Kinder konnten jetzt endlich mit ihren Eltern den Heiligen Abend feiern. „Ich habe da so eine Überraschung für Euch.“ sagte Markus zu den Kindern.. „Wir wollen nachher in die Kirche gehen, dann kann die Mama in Ruhe das Essen vorbereiten.“ „Au ja,“ riefen die beiden einstimmig und klatschten vor Begeisterung in die Hände, „das ist wirklich eine tolle Idee Papa.“ Ulrike kam sich zwar etwas ausgeschlossen vor, sagte aber nichts, denn sie wollte ihren Kindern die Freude nicht zerstören. Daher lächelte sie freundlich und sagte: „Gut, dann werde ich in dieser Zeit das Essen vorbereiten.

Als die Drei aus der Kirche kamen war alles vorbereitet. Der geschmückte Baum stand hinter der Schiebetür, die in das an das Esszimmer angrenzende Wohnzimmer führte. Liebevoll dekoriert lagen die Geschenke unter dem Baum. Der Tisch im Esszimmer war liebevoll dekoriert und zum Essen gab es Kartoffelsalat, Steaks für die Eltern und Hähnchenflügel für die beiden Kinder. Nach dem Essen halfen alle dabei, den Tisch abzuräumen und dann gingen die Kinder mit Ulrike hinaus in den Garten, um zu schauen ob sie am Himmel schon den Schlitten mit dem Christkind sehen konnten. Sie zogen dazu ihre dicken Jacken und Stiefel an, denn es war kalt und windig draußen. Die Kinder suchten am Himmel den Schlitten, als plötzlich ganz deutlich ein Glöckchen und eine Weihnachtsmelodie erklang. Nun endlich durften Stefanie und Johannes in das Wohnzimmer. Sie bestaunten den prächtigen Baum, der auch dieses Jahr wieder fast bis an die Zimmerdecke reichte und sie freuten sich über die vielen bunten Pakete die unter dem Baum lagen. Auch für die Eltern hatten die Kinder bunte Geschenke gebastelt und Weihnachtsbilder gemalt. Jetzt wurde ausgepackt, gelacht und gespielt. Später, als etwas Ruhe eingekehrt war, da gab Ulrike ihrem Mann ihr Weihnachtsgeschenk. Auch Ulrike bekam etwas von ihrem Mann. Doch was war das? Sie bekam nicht das erwartete Päckchen, nein, sie bekam eine Schachtel mit Konfekt und eine Serie mit Pflegecremes für die Frau ab 40. Anti Aging im Geschenkkarton. Auch ein flüchtiges „Frohe Weihnachten“ und einen Kuss auf die Wange rang ihr Mann sich noch ab. Das war es dann mit Ulrikes Weihnachten. Sie dachte, gleich stürze sie in einen tiefen Abgrund. Aber sie stürzte nicht. Sie stand immer noch im gleichen Wohnzimmer wie eben, neben dem prächtig geschmückten Weihnachtsbaum und doch war jetzt alles anders. Die ganze Welt war mit einem Mal anders. Was war passiert? Für wen hatte Markus die Kette gekauft? Er betrügt mich, schoss ihr durch den Kopf. Tausend Gedanken stürmten innerhalb weniger Sekunden durch Ulrikes Kopf. Nur jetzt nichts anmerken lassen. Die Kinder sollten ihr Weihnachtsfest genießen. Ulrike musste immer wieder heimlich zu ihrem Mann schauen. Du Betrüger, Du Heuchler, dachte sie in ihrem Innersten. Sie hoffte, dass dieses Weihnachtsfest schnell vorbeiging. Ulrike überlegte fieberhaft, was sie nun tun sollte. Erst einmal abwarten bis nach Weihnachten, dachte sie, dann werde ich weitersehen und kämpfen. Ja, Ulrike würde kämpfen, das hatte sie sich fest vorgenommen. Erst einmal wollte sie herausfinden, wer ihre Gegnerin war. Und dann würde Ulrike um ihren Mann kämpfen, um ihren Mann und um ihre Familie. Sie wollte verhindern, dass ihre Familie auseinander gerissen wurde.

Die Weihnachtstage vergingen wie in Trance. Ulrike funktionierte wie ein Automat. Innerlich war sie aufgewühlt, äußerlich aber wirkte sie ruhig und unbeteiligt. Ununterbrochen ging ihr Gehirnkino und verschiedene Szenen spielten sich dort ab.Vielleicht sollte sie ihre Nebenbuhlerin ausfindig machen und sie dann umbringen? Aber wie? Mit dem Auto überfahren oder vielleicht erschießen? Vergiften wäre die klassische Variante. Aber warum sie umbringen? Vielleicht sollte sie lieber ihren werten, verlogenen Gatten umbringen. Er war ja genau so daran schuld. Nein, entschied sie. Alle beide sind es nicht wert, dass sie dann dafür jahrelang ins Gefängnis käme. Außerdem konnte sie den Kindern nicht den Vater nehmen. Sie würde also kämpfen und das mit allen Mitteln.

Markus tat, als sei er der Familienmensch schlechthin und Ulrike wurde bewusst, wie wenig sie ihn doch kannte. Sie hätte ihm so etwas nie zugetraut. Immer wieder dachte sie, was er doch für ein Heuchler war. Trotzdem liebte sie ihn.. Sie wollte es wäre anders aber sie liebte ihn einfach mit allen Fasern ihres Herzens. Aus diesem Grund gönnte sie sich abends immer wieder einige Gläser Wein. Diese halfen ihr etwas über den größten Kummer hinweg und sorgten dafür, dass sie überhaupt einschlafen konnte.

Die Weihnachtstage waren vorbei und Markus war mit beiden Kindern unterwegs. Nun hatte Ulrike endlich die Gelegenheit,mit ihrer Freundin Bettina über die ganze Angelegenheit zu sprechen. Bettina war 45 Jahre alt und ihre beiden Kinder waren schon erwachsen. Ihr Mann, der Vater ihrer Kinder, war vor zehn Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seitdem lebte Bettina allein, hatte aber seit einigen Jahren eine feste Beziehung. Beruflich war sie eine erfolgreiche Journalistin bei der Münchner Tageszeitung. Heute trafen sich die Freundinnen in Bettinas Wohnung. Die große Eigentumswohnung hatte Bettina damals nach dem Tod ihres Mannes gekauft. Er hatte, um seine Familie im Notfall abzusichern, eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen. Wie gut das war, das zeigte sich ja dann nach seinem Autounfall.


Blass und fahrig saß Ulrike in Bettinas Wohnzimmer auf der Couch. Ihre Hand zitterte, als sie nach dem Glas Wasser griff, das vor ihr auf dem Tisch stand. Die seelischen Qualen der letzten Tage zeichneten sie, denn sie sah hilflos und jämmerlich aus. Ihre verquollenen Augen und die dicken Tränensäcke verrieten durchweinte Nächte und zu viel Alkohol. Bettina war natürlich außer sich,, als sie die ganze Wahrheit erfuhr und wollte Ulrike natürlich beistehen. „Dieser Heuchler,“ schimpfte sie über Markus, „wie kann er nur so etwas tun? Er hat überhaupt keine Skrupel Eure Familie zu gefährden. Denkt er gar nicht an seine Kinder?“ „Ich wollte es ja auch erst nicht glauben,“ sagte Ulrike, „aber es muss ja wohl so sein. Die Kette war ja sein Geschenk an seinen Liebling. Jetzt will ich wissen, wer sie ist und
wann und wo er sich mit ihr trifft. Ich werde ihn jetzt ab und zu beobachten., dann weiß ich genau, wann er Überstunden macht und wann nicht.“ Aber was dann, wenn ich es weiß, was soll ich dann tun? Mit ihm reden, dass er es lässt oder eine hysterische Szene machen. Soll ich ihn verlassen oder ihn hinauswerfen? Ich weiß im Moment nicht, was ich tun soll, wenn ich weiß, wer sie ist und wie lange das schon geht. Wie soll ich reagieren? Ihn zur Rede stellen oder so tun als sei alles ganz normal? Warten bis die Affaire im Sande verläuft?“ „Vielleicht hast Du ja dann einen Plan, wenn Du Deine Gegnerin kennst,“ sagte Bettina. „ Finde erst einmal heraus, wer sie ist und dann findest Du bestimmt eine gute Lösung. Du musst auf jeden Fall kämpfen. Deine Familie ist es wert. Außerdem bist Du das auch Deinen Kindern schuldig.“ „Und wenn er sie wirklich liebt? Das wäre eine echte Katastrophe,“ gab Ulrike zu bedenken. „Meistens ist es nur eine Affaire, eine heimliche Geliebte,“ antwortete Bettina, „Sonst hätte er sich doch nicht so viel Mühe gegeben das Ganze vor Euch geheim zu halten. Die meisten Männer entscheiden sich dann doch gegen die Geliebte und für die Familie. Die wenigsten Männer sind bereit für eine Affaire ihre Ehe aufzugeben.“ Ulrike war nun einigermaßen beruhigt und trank noch einen kräftigen Schluck von ihrem Wasser. „So, ich muss jetzt wieder fahren, sonst kommt Markus mit den Kindern nach Hause und ich bin nicht da. Er soll noch nicht wissen, dass ich etwas weiß. Es hat mir wirklich gut getan mit Dir darüber zu reden. Ich bin jetzt viel ruhiger und gelassener.“ Mit diesen Worten verabschiedete Ulrike von Bettina und fuhr auf dem schnellsten Weg nach Hause. Markus und die Kinder waren noch unterwegs. Ulrike versuchte, nach außen hin alles normal aussehen zu lassen. Sie putzte wie üblich die Wohnung und war noch beim Saubermachen als die Drei nach Hause kamen. Alle Drei waren fröhlich und ausgelassen. Ulrike war froh, dass wenigstens die Kinder einen schönen Tag hatten. „Rate mal wo wir waren,“ fragte Stefanie ihre Mutter. „Ich weiß nicht, wo seid ihr denn gewesen?“ Ulrike wusste wirklich nicht was Markus mit den Kindern unternommen hatte. „Wir waren beim Pony reiten,“ jauchzte Stefanie, „das war ganz toll. Papa hat gesagt wir dürfen jetzt öfter dort hin. Ich bin auf einem weißen Pony geritten und Johannes saß auf einem braunen Pony. Nächstes Wochenende will der Papa wieder mit uns zu den Pferden. Tante Katrin war auch lieb. Die hat uns die Ponys gesattelt und und geführt..“ Ulrike war hellhörig geworden. Sollte das jetzt harmlos gewesen sein oder war dort vielleicht seine Geliebte zu suchen? Ulrike grübelte wieder. „Nein ,“ dachte sie, „er würde nicht die Kinder in seine Affaire mit hineinziehen. So gut glaubte sie Markus zu kennen. Die Kinder waren sein ein und alles. Markus erzählte ihr dann beiläufig, er habe die Kinder damit überraschen wollen . Daher habe er Ulrike von seinem Vorhaben nichts erzählt. Am nächsten Wochenende würde er wahrscheinlich noch einmal mit den Kindern dort hinfahren. Er sehe sie ja so selten und wolle einfach auch einmal etwas Schönes mit ihnen unternehmen, „Okay,“ sagte Ulrike nur, denn ihr fiel so spontan keine bessere Antwort darauf ein. Sie wollte ja nicht, dass er Verdacht schöpfte und außerdem konnte sie es ihm ja nicht verbieten. So machte Ulrike gute Miene zum bösen Spiel und hörte sich geduldig an, was ihre Kinder an diesem Abend alles über die Ponys und über „Tante Katrin“ erzählten. Es war schon spät als die Kinder abends endlich einschliefen. Auch Markus ging früh zu Bett, denn er musste an den beiden letzten Tagen im alten Jahr noch arbeiten. Katrin blieb allein im Wohnzimmer zurück und gönnte sich einige Gläser Wein. Gleich im Neuen Jahr wollte sie damit beginnen, herauszufinden wer denn die Geliebte ihres Mannes sei. Doch noch immer wusste sie noch nicht , was sie danach tun sollte. Sollte sie Markus offen zur Rede stellen oder sollte sie weiterhin so tun, als ob sie nichts von dem Verhältnis wusste. Ulrike war sich nicht sicher, was besser war. Wenn sie wusste, wie ihre Nebenbuhlerin aussah, dann würde sie zumindest wissen, mit wem sie es aufnehmen musste. Vielleicht war es ja so eine leichtsinnige und leichtlebige Karrierefrau, die laufend ihre Männer wechselte und Markus war nur einer von vielen Verhältnissen, die sie so nebenbei hatte. Solche Frauen gab es. Keine Kinder, keine Familie aber viele Partys und immer wieder ein neuer Mann an ihrer Seite. Klar, dass so eine Frau ihm schon mal den Kopf verdrehte. Ulrike schenkte sich ihr drittes Glas Wein ein und grübelte weiter. Nach dem vierten Glas Wein ging sie dann endlich schlafen. Am nächsten Morgen liefen die gleichen Rituale ab wie an jedem Morgen, auch wenn die Situation jetzt eine ganz andere war. Bloß nichts anmerken lassen, dachte Ulrike. Bevor ich nicht weiß gegen wen ich kämpfen muss, dachte sie, bin ich einfach besonders vorsichtig. Sobald das neue Jahr begonnen hat, werde ich mit den Nachforschungen beginnen, nahm Ulrike sich fest vor. Sie war Bettina dankbar, dass diese sich dann gelegentlich um die Kinder kümmern wollte. Natürlich würden auch Ulrikes Eltern die Kinder ab und zu nehmen, doch sie wollte die beiden nicht in diese Angelegenheit hineinziehen.
Die letzten Tage im alten Jahr vergingen und nachdem Ulrike und ihre Familie eine ruhige Silvesterparty hinter sich gebracht hatten, hatte das Neue Jahr begonnen. Markus ging, wie üblich, wieder früh in das Büro und kam fast jeden Abend sehr spät nach Hause. Natürlich murmelte er zu seiner Entschuldigung wieder etwas von Überstunden.

An einem Donnerstag Nachmittag bezog Ulrike ihren Posten vor dem Firmengelände. Sie parkte ihren Wagen so, dass sie zwar den wagen ihres Mannes sehen konnte, ihr eigener aber nicht so leicht gesehen wurde. Zum Glück war ihr Opel Corsa ein Auto der Masse, so dass sie ihrem Mann unauffällig folgen konnte. Markus kam pünktlich um 17.00 Uhr aus dem Büro. Natürlich hatte er Ulrike auch heute Morgen erklärt, dass er noch ziemlich spät am Abend ein wichtiges Meeting habe und dass sie heute Abend nicht auf ihn warten solle. Ulrike folgte dem großen BMW ihres Mannes und es ging aus München hinaus. Sie hatten gerade die Münchener Stadtgrenze hinter sich gelassen, als ein Wegweiser in Richtung Gubendorf, rechts abbiegen anzeigte. Markus blinkte rechts. Ulrike fuhr langsamer und vergrößerte so den Abstand zum Wagen ihres Mannes. Sie wollte auf keinen Fall entdeckt werden. Kurz vor dem Ort Gubendorf zeigte ein Hinweisschild nach rechts zur Burg Hohenfels. Markus bog rechts ab. Ulrike ließ den Abstand noch größer werden. Sie wartete so lange, bis sie den Wagen von Markus nicht mehr sah und bog ebenfalls rechts ab. Die schmale, kurvenreiche Straße führte bergauf und Ulrike fuhr durch ein geöffnetes Tor. Über diesem Tor stand in schmiedeeisernen Buchstaben: BURG HOHENFELS – GUT AMMEROTH

Aha, dachte Ulrike, jetzt komme ich der Sache schon näher! Als sie die ersten Gebäude sehen konnte, hielt sie hinter einem großen Busch und parkte ihr Auto dort. So war sie sicher, dass ihr Auto nicht entdeckt wurde. Den Rest des Weges ging sie zu Fuß. Leise und vorsichtig ging sie die schmale Straße entlang, immer bereit schnell seitlich in die Büsche zu springen, falls ein Auto nahte. Aber sie hatte Glück. Es war kein weiteres Auto zu hören oder zu sehen. Als sie die Burg erreicht hatte, ging sie durch ein weiteres geöffnetes Tor und befand sich in dem halbdunklen, großen Innenhof der Burg. Nur eine kleine Lampe brannte und sorgte für eine minimale Beleuchtung. Wahrscheinlich erwartete man heute keine weiteren Besucher mehr. Auf dem Burghof sah sie Markus Auto direkt neben so eine Art Haupteingang stehen. Das alte Kopfsteinpflaster war glatt, denn es hatte die ganze Zeit geregnet. Ulrike musste aufpassen, dass sie nicht stürzte. Es roch nach Pferden und man hörte ein Schnauben und ein fernes klappern von Hufen. Eine Stalltür stand einen Spalt breit auf und von dort kam ein gedämpfter Lichtschein. Das vordere Stallgebäude selbst war dunkel, doch dahinter schienen einige Gänge hell beleuchtet zu sein. Ulrike öffnete die Tür etwas und ging schnell hindurch. Zum Glück machte die Tür dabei keine Geräusche. Einige Pferde schnaubten. Leise und vorsichtig ging Ulrike in Richtung Lichtquelle. Im halbdunklen Stall konnte sie erkennen, dass die Gänge zwischen den Boxen frei und aufgeräumt waren, so dass sie nicht Angst haben musste über etwas zu stürzen. Jetzt hörte sie gedämpfte Stimmen und der Lichtschein wurde stärker. Sie erkannte Markus´ Stimme. Die zweite Stimme gehörte einer Frau. Sie konnte nicht verstehen was gesprochen wurde aber dem Tonfall nach war es sehr liebevoll. Ulrike ging noch ein wenig näher und stand vor dem Eingang zu einer beleuchteten großen Reithalle. In der Mitte der Reitbahn standen Markus und eine sehr junge Frau, die einen riesigen Rappen an einer langen Longe führte. Ulrike wurde von einigen Strohballen verdeckt, die direkt seitlich vor der Hallentür übereinander geschichtet waren. So konnte sie nicht gesehen werden. Was sie sah, das reichte ihr. Markus umarmte die Frau und küsste sie zärtlich auf den Mund. Ulrike hatte genug gesehen. Sie ging so leise und so schnell wie möglich hinaus. Mehr Beweise brauchte sie nicht. Als sie aus dem Stallgebäude herauskam bemerkte sie , dass es begonnen hatte zu schneien. Das bisher nasskalte Wetter war umgeschlagen und die Temperaturen fielen immer weiter in Richtung Frost. Ulrike rannte so schnell sie konnte die schmale Straße hinunter und war froh, als sie endlich ihren Wagen erreichte. Zum Glück hatte sie neue Winterreifen aufziehen lassen, so dass die bereits von einer dünnen Schneeschicht bedeckte Straße ihr keine Probleme bereitete. Sie dachte, wie peinlich es wohl gewesen wäre, wenn Markus sie hier hätte aus dem Graben ziehen müssen. So schnell sie konnte fuhr sie zu ihrer Freundin Bettina, um die Kinder dort abzuholen. Die beiden würden bestimmt schon auf sie warten. Als sie die Wohnung ihrer Freundin Bettina erreichte, war es bereits 19.00 Uhr. Die Kinder hatten schon Abendbrot gegessen und waren ziemlich müde. Ulrike sagte nicht viel sondern meinte nur: „Es wird Zeit , dass ich jetzt fahre. Die Kinder sind müde. Ich rufe Dich nachher noch einmal an. Tschüss und danke.“

Zuhause angekommen, wollten Johannes und Stefanie auch bald ins Bett. Ulrike las beiden noch eine Geschichte vor und dann waren beide auch ziemlich bald eingeschlafen. Endlich konnte Ulrike Bettina anrufen, die schon sehr gespannt darauf wartete. Ulrike erzählte ihr, was sie gesehen hatte und Bettina war schockiert. So hatte sie sich das doch nicht vorgestellt. „Na,“ sagte sie, „dann bin ich ja mal gespannt, wann Dein feiner Herr Lügner heute Abend wohl nach Hause kommt“ „Ja, ich auch! Ich bin auch sehr gespannt, wann er heute nach Hause kommt. Ich überlege mir derweil eine Strategie. Ich halte Dich auf dem Laufenden. Tschau bis bald.“ Ulrike legte auf. Jetzt brauchte sie ein Glas Wein. Aber nur ein Glas zum Beruhigen, denn sie brauchte einen klaren Kopf. Ulrike wollte tapfer sein, aber es leichter gesagt als getan. Sie fühlte sich wie in einem falschen Film. Ihre ganze bisherige relativ glückliche Ehe gab es nur in ihrer Einbildung. Die Realität sah ganz anders aus, bedrohlich anders. Ulrike schenkte sich nach dem ersten Glas Wein dann doch noch ein weiteres ein, denn sie war noch zu keiner Lösung gekommen. Sie würde erst einmal gar nichts machen, bis sie eine bessere Idee hatte. Sie ahnte instinktiv, dass sie im Moment den Kürzeren ziehen würde, sollte sie eine Szene machen. Ulrike litt und stand unter dem Druck, sich nichts anmerken zu lassen, zu hoffen, dass die Affaire einfach nur eine dumme Affaire war, die vorbeiging. Schließlich waren sie und die Kinder seine Familie. Ulrike wusste, dass die Familie für Markus äußerst wichtig war. Ulrike schenkte sich Wein nach. Es war jetzt 23.00 Uhr und von Markus war immer noch nichts zu sehen. Ulrike schaute aus dem Fenster. Ein dichtes Schneetreiben hatte eingesetzt und die Wege im Garten waren schon knietief mit Schnee bedeckt. Markus würde schön fluchen, wenn er nach Hause kam.Sonst fegte Ulrike abends die Wege frei, damit ihr Mann nicht durch den hohen Schnee stapfen musste, wenn er abends nach Hause kam. Heute Abend dachte Ulrike gar nicht daran. Die Flasche Wein hatte sie vollständig geleert und war jetzt müde genug, um ins Bett zu gehen. Sollte Markus doch sonst wo bleiben. Das war ihr jetzt ganz egal.

Am nächsten Morgen klingelte wie üblich ihr Wecker früh und Ulrike stand um sechs Uhr auf. Sie wusste nicht wann Markus gestern Abend gekommen war. Wie immer weckte sie ihn um halb sieben. Sie sprach mit ihm nur das Nötigste, was ihm aber nicht weiter auffiel. Im Moment konnte Ulrike seine Gegenwart kaum ertragen. Schmerz, Arger und Enttäuschung waren einfach zu groß und es war schwierig diese Gefühle auf Dauer zu verstecken. Endlich war Markus aus dem Haus. Ulrike rief ihre Eltern an und bat diese, die Kinder für einige Stunden zu nehmen. Heute war sie einfach nicht in der Lage , sich um die beiden zu kümmern, denn es ging ihr einfach zu schlecht. Sie brauchte einfach einen freien Tag zum Nachdenken. Doch auch das machte sie wahnsinnig. Bettina konnte sie in den nächsten Tagen nicht erreichen, denn sie war mit ihrem Freund verreist. Dieses Alleinsein war auch nicht besser. Das brachte sie nur auf dumme Gedanken. Sie dachte an ein Glas Wein, verwarf diesen Gedanken aber sofort wieder. Am Tag wollte sie nicht auch noch Wein trinken. Was sollten ihre Kinder sonst denken. Sie nahm sich stattdessen einen Kaffee und ließ sich ein Bad ein. Sie wollte es sich heute erst einmal gemütlich machen und sich ausruhen. Wer weiß, was noch alles auf sie zu kam. Sie wusste nicht, wie recht sie damit hatte.

Die nächsten vier Wochen verliefen ohne große Vorkommnisse. Aber dann kam der Tag der Aussprache, die allerdings nicht von Ulrike ausging. Markus selbst war derjenige, der Ulrike zu einem Gespräch bat. Er sagte ihr einfach so ins Gesicht: „Es wird demnächst eine große Veränderung geben, denn ich werde mich von Dir trennen.“ Ulrike wurde blass. So weit ist das jetzt also schon, dass er seine Familie aufgibt? Was ist das bloß für ein Mann, dachte Ulrike weiter. Denkt er, ich habe gar kein Herz, dass er mir solche Worte einfach so vor den Kopf knallt? Doch das war noch nicht alles. Es kam noch schlimmer. „Ich habe eine Frau kennengelernt, die ich sehr liebe und die von mir ein Kind bekommt. Daher werden wir und scheiden lassen. Ich möchte es unseren Kindern selbst erklären, weil ich nicht möchte, dass sie darunter leiden. Ich denke, das Wohl der Kinder ist auch in Deinem Interesse“ „Gut, ich werden ihnen nichts sagen,“ beteuerte Ulrike, die immer mehr den Boden unter den Füßen verlor. „Ich werde ab heute nicht mehr hier übernachten,“ sprach Markus weiter. „Bitte sage den Kindern, dass ich beide am Samstag abhole und am Wochenende mit ihnen etwas unternehme. Ich bringe die beiden dann am Sonntag um 18.00 Uhr zurück. Über alles Weitere wirst Du von meinem Anwalt hören. Ich denke wir werden uns schon einigen.“ Es war als stehe ein Fremder vor ihr und nicht Markus, ihr Mann. Ulrike hatte das Gefühl, sie werde auf der Stelle im Boden versinken. Auf alle Fälle hatte sie den Boden unter den Füßen komplett verloren. Nach dieser Aussprache packte Markus einen Teil seiner Kleidung in einen Koffer und eine Reisetasche. Kurz darauf fuhr er davon. Ulrike war froh, dass die Kinder schliefen. Sie setzte sich auf die Couch und heulte. Sie heulte nicht nur weil sie Markus noch liebte sondern sie hatte auch Angst. Sie hatte Angst vor der Zukunft. Was würde jetzt alles auf sie zukommen? Markus war so kalt und gefühllos gewesen, was kam jetzt noch alles? Würde er Unterhalt zahlen? Freiwillig? Ulrike hatte ja kein eigenes Einkommen. Sobald Johannes geboren war, hatte sie ihren Beruf als Arzthelferin aufgegeben. Seit zehn Jahren war sie nur noch Hausfrau und Mutter. Jetzt war diese Sicherheit nicht mehr vorhanden. Ulrike konnte nicht anders. Sie öffnete sich eine Flasche Wein und trank einige Gläser. Ulrike war nicht fähig, heute noch mit jemandem zu sprechen, also beschloss sie, ihre Freundin Bettina erst morgen anzurufen. Nachdem sie die Flasche fast geleert hatte, legte Ulrike sich schlafen. Trotz Wein schlief sie in dieser Nacht schlecht und wachte früher auf, als sie musste. Nachdem die Kinder wie üblich gefrühstückt hatten, brachte Ulrike sie in die Schule. Bis jetzt war die Welt der beiden noch in Ordnung, da sie ihren Vater abends und morgens sowieso nie sahen. Gut, dann wollte sie für die Kinder jetzt alles ganz normal scheinen lassen, denn sie wollte wirklich nicht, dass die beiden unter der Trennung der Eltern leiden. Wenigstens die Kinder sollten ihre heile Welt behalten. Sobald die Kinder in der Schule waren, rief Ulrike bei Bettina an. Bettina war entsetzt, als sie die Neuigkeiten hörte. „Das ist ja noch viel schlimmer als ich dachte,“ sagte sie ganz erschüttert und mitleidig. „Was willst Du denn jetzt tun?“ „Ich weiß nicht was ich tun soll,“ sagte Ulrike kläglich. „Ich weiß nur, dass ich jetzt Angst habe. Ich habe Angst davor, was jetzt alles auf mich zukommt und Angst vor der Zukunft.“ „Ja, das verstehe ich vollkommen. Wenn Du reden möchtest, dann kannst Du jederzeit zu mir kommen,“ antwortete Bettina. Am Samstag morgen waren die Kinder ganz aufgeregt, denn ihr Papa wollte mit ihnen über das Wochenende wegfahren. „Schade, dass Du keine Zeit hast mitzukommen“, sagte Stefanie, „es wäre bestimmt schöner, wenn Du auch dabei wärst.“ „Ja, aber einer muss doch hier am Wochenende alles sauber machen, damit ihr am Sonntag wieder in einem sauberen Haus schlafen könnt,“ antwortete Ulrike ihrer kleinen Tochter tapfer. „Dann sage ich dem Papa, dass wir Dir etwas Schönes mitbringen,“ rief Stefanie vergnügt und umarmte ihre Mutter herzlich. Johannes war nicht so impulsiv und etwas zurückhaltender als seine Schwester. Auch er umarmte seine Mutter, denn der Vater stand plötzlich in der Tür und sagte: „Kommt Kinder, wir haben viel vor am Wochenende.“ Vergnügt liefen die beiden hinter ihrem Vater her. Die beiden kleinen Reisetaschen nahm er und trug sie zum Auto. „Bis morgen dann,“ verabschiedete er sich flüchtig von Ulrike, als wären sie nur zwei Bekannte. Ulrike konnte es kaum fassen, wie fremd Markus ihr mit einem Mal geworden war. Wahrscheinlich war der Abstand zwischen ihnen die ganze Zeit schon so groß gewesen, nur sie, Ulrike, hatte es einfach nicht bemerkt. Das Wochenende war für Ulrike die Hölle. Sie versuchte Normalität herrschen zu lassen und putzte wie immer das Haus. Doch es war nichts mehr normal und es würde nie wieder so sein wie es einmal war. Das wurde ihr immer schmerzlicher bewusst. Ulrike vermisste ihre Kinder. Auch das käme jetzt auf sie zu. Besuchszeiten in den Ferien, Besuchszeiten an den Wochenenden und immer würde sie ihre Kinder vermissen. Ulrike fühlte sich einsam und ohnmächtig. Sie hatte ihr Leben nun nicht mehr in der Hand. Sie wusste auch nicht was finanziell auf sie zu kam, denn sie hatten, als Markus den Kredit für das Haus aufgenommen hatte, einen Ehevertrag geschlossen. Der beinhaltete unter anderem auch die Gütertrennung. Ulrike gehörte nur der Opel Corsa. Sonst besaß sie nichts. Auch der Unterhalt war in dem Vertrag geregelt. Ulrike tat sich etwas schwer mit Verträgen. Sie hatte den Vertrag damals einfach unterschrieben, weil Markus das für richtig hielt. Sie hatte ihm vertraut, dass er das Richtige für die Familie tun werde. Jetzt würde Ulrike sich nächste Woche einen Anwalt nehmen, da sie unbedingt wissen musste, in welcher Lage sie sich befand. Vielleicht würde ihr das dann ein wenig die Angst nehmen.

Es war Samstag Nachmittag 16.00 Uhr. Ulrike war jetzt nervlich vollkommen am Ende. Die Kinder fehlten ihr schon jetzt und auch ihr bisheriges Leben fehlte ihr schon jetzt. Bettina war an diesem Wochenende nicht erreichbar, denn sie war für einige Tage beruflich unterwegs. Das Haus war für Ulrike, jetzt da sie allein war, unerträglich. Sie musste einfach raus, sonst würde sie bald durchdrehen. Die ganzen glücklichen Erinnerungen, die sie gefangen hielten gepaart mit den vielen Zukunftsängsten verschafften ihr das Gefühl, eine Gefangene dieses Hauses und ihrer Erinnerungen zu sein. Ulrike rief ihre Eltern an und verabredete sich mit ihnen zum Abendessen. Auch ihre Eltern mussten von Ende ihrer Ehe erfahren. Außerdem brauchte sie jetzt jemanden zum Reden.

Als sie die Wohnung ihrer Eltern erreichte, ging es ihr schon wieder etwas besser. Sie fühlte sich hier geborgen und geliebt. Das war ein Gefühl, dass sie jetzt ganz besonders brauchte. Nun musste sie ihren Eltern die Wahrheit über ihre Ehe erzählen. Beide waren ganz betroffen und hilflos. Sie versuchten ihre Tochter zu trösten, doch sie hätten selbst etwas Trost gebrauchen können. Etwas später am Abend fuhr Ulrike wieder nach Hause. Jetzt nahmen das leere Haus, ihre Erinnerungen und ihre Ängste sie wieder gefangen. Es war Samstag Abend 21.00 Uhr, Ulrike saß vor dem Fernseher und entkorkte gerade eine Flasche Wein. Die Tränen liefen ihre Wangen herunter und sie begann hemmungslos zu schluchzen. Ulrike bekam einen regelrechten Weinkrampf. Sie trankt ein Glas Wein in einem Zug aus und schenkte sich dann ihr Glas gleich wieder voll. Es dauerte nicht lange und sie hatte die Flasche geleert. Dazu aß sie eine Tüte Chips und eine Tafel Schokolade. Noch eine Flasche Wein wollte sie nicht trinken, also goss sie sich einen Schluck Whisky in ihr Weinglas. Nachdem sie zwei weitere Whisky getrunken hatte, wankte sie in ihr Bett. Am nächsten Morgen erwachte Ulrike spät und fühlte sich schlecht. Übelkeit und Kopfscherzen machten ihr zu schaffen. Sie nahm eine Tablette und ging unter die Dusche. „Ja, was fange ich jetzt an mit diesem Tag,“ fragte sie sich und merkte, dass sie außer Haushalt und Kindern nichts anderes hatte, was sie tun konnte. Sie hatte außer Bettina keine Freunde und keine Hobbys. Sie fühlte sich überflüssig und leer. Jetzt erledigte sie noch einiges im Haushalt, was gestern liegen geblieben war und den Rest des Tages verbrachte sie damit, auf die Kinder zu warten.

Endlich war es 18.00 Uhr und die Kinder kamen. Markus brachte sie bis zur Tür, kam aber nicht mit herein. Mit leuchtenden Augen erzählten die Kinder was sie für ein schönes Wochenende gehabt hatten. „Ach bitte Mama, dürfen wir denn nächstes Wochenende wieder zum Papa?“ Beide Kinder bettelten und Ulrike war ziemlich hilflos. „Es war doch so schöne mit den Pferden und Tante Katrin ist doch so lieb. Sie freut sich, wenn wir öfter kommen. Außerdem bekommen wir noch zwei Geschwisterchen. Papa hat gesagt, wir dürfen dann die Spielsachen mit aussuchen und wir dürfen auch dabei helfen, die Kinderzimmer zu renovieren. Tante Katrin hat uns die Ponys geschenkt. Mein Pony heißt Mücke und das von Johannes heißt Schnecke. Ulrike sagte nur: „Wir sprechen noch darüber, aber nicht heute.“ Die Kinder nickten und liefen in ihre Kinderzimmer, um noch ein wenig zu spielen. Beide Kinder waren an diesem Abend aufgedreht und laut. Sogar der sonst so ruhige Johannes war wild und ungestüm. Um acht Uhr lagen beide Kinder müde im Bett. Auch in den nächsten Tagen, in der Schule und in der Vorschule, waren die Kinder lebhafter als sonst. Sie erzählten den Freunden ihre Neuigkeiten und das Ganze sprach sich schnell herum. Nicht nur, dass Ulrike die betrogene Ehefrau war machte ihr zu schaffen, es belastete sie auch, dass jetzt alle Eltern und Lehrer Bescheid wussten und sie sich mitleidig angeschaut fühlte. Sie dachte, ein Spießrutenlauf hätte gewiss nicht schlimmer sein können. Auch die Kinder kannten im Moment kein anderes Thema mehr als die Ponys und Tante Katrin. Das waren jetzt die absoluten Highlights in ihrem Leben. Ulrike hatte gleich am Montag Morgen einen Rechtsanwalt angerufen. Sie hatte Glück, denn sie bekam zwei Tage später einen Termin vormittags. Am Dienstag Morgen war das Schreiben vom Anwalt ihres Mannes im Briefkasten. Mit zitternden Fingern öffnete sie das Kuvert. Als sie den Brief gelesen hatte wurde sie leichenblass. Was jetzt auf sie zu kam, das kannte sie nur aus Romanen oder aus der Zeitung. Es war das, was man einen regelrechten Rosenkrieg nannte. Da war nichts mehr von Rücksichtnahme, von Partnerschaft, von einer Beziehung mit zwei gemeinsamen Kindern. Markus gehörte alles und Sie hatte innerhalb von höchstens drei Monaten das Haus zu verlassen. Auch das alleinige Sorgerecht für die Kinder hatte er beantragt, da sie bei ihm angeblich ein geordnetes Familienleben hätten. Jetzt musste Ulrike kämpfen und ihre Chancen standen wohl denkbar schlecht.

Auch der Anwalt, bei dem sie am Mittwoch Morgen einen Termin hatte, erklärte ihr, dass ihre Lage denkbar schlecht sei. Sie war nicht aussichtslos aber halt schlecht. Sie war in der schlechteren Position und sollte versuchen wenigstens die Kinder auf ihrer Seite zu haben, denn auch die Kinder würden gefragt werden, bei wem sie denn lieber leben wollten. Natürlich müsse sie auch eine Wohnung finden und einen Unterhalt bekäme sie nur im Trennungsjahr. Nach der Scheidung bekämen nur noch die Kinder Unterhalt.

Jetzt war Ulrike wirklich am Ende und Rang nach Fassung. Ulrikes Anwalt beantragte ebenfalls das alleinige Sorgerecht für die Kinder und Ulrike hoffte, dass beide Kinder sich für sie entscheiden würden. Doch sobald das nächste Wochenende näher rückte, wollten die Kinder den Papa und Tante Katrin besuchen. Ulrike erklärte ihnen, dass der Papa sie am Wochenende darauf abholen würde. Trotzdem waren die beiden enttäuscht. Ulrike unternahm am Wochenende viel mit den beiden, doch Stefanie und Johannes waren nicht zufrieden. Sie wären gern bei ihren Ponys gewesen. Wenn sie mit dem Papa telefonierten, dann dauerte das immer lange und Ulrike schnappte einige Wortfetzen wie Rechtsanwalt und Gericht auf. Es schrillten nun einige Alarmglocken in ihr. Aber Ulrike war machtlos. Sie sprach mit Bettina über die ganze Angelegenheit, doch ihre Freundin konnte ihr da auch keinen guten Rat geben. Sie meinte nur, dass Markus doch wirklich charakterlos sei und Ulrike jetzt kämpfen müsse. Und Ulrike wollte kämpfen, Das hatte sie sich jedenfalls fest vorgenommen, obwohl sie sich schwach und elend fühlte. Die Woche verlief ohne große Vorkommnisse und es kam wieder das Wochenende, an dem die Kinder ihren Vater besuchten. Dieses Mal wollte er sie schon am Freitag Abend um 18.00 Uhr abholen und am Sonntag Abend um 18.00 Uhr zurück bringen. Da das die klassische Form des Besuchsrechts war, konnte Ulrike dagegen nichts unternehmen. Dem Vater und den Kindern standen diese langen Wochenenden zu. Bettina, die die Wochenenden sonst immer mit ihrem Freund verbrachte, versprach Ulrike, sich an dem Wochenende einen Abend Zeit für sie zu nehmen. „Wir können uns am Freitag Abend treffen und zusammen Essen gehen,“ schlug Bettina vor, „danach gehen wir vielleicht noch in eine kleine Bar.“. „Ich danke Dir. Vielleicht wird es dann etwas leichter für mich,“ antwortete Ulrike.

Am Freitag warteten die Kinder schon den ganzen Nachmittag darauf dass es endlich Abend wurde. Die beiden Reisetaschen waren gepackt und immer wieder liefen sie abwechselnd zum Fenster und warteten auf ihren Papa. Ulrike zerbrach fast an diesem Rosenkrieg. Natürlich fand sie es schön, dass die Kinder ihren Vater liebten und dieser auch sie, aber dass sie ihr so leicht abtrünnig wurden, das verletzte Ulrike doch tief. Was zähle ich denn noch, fragte sie sich in den letzten Tagen oft. Niemand braucht mich und niemand will mich. Ihr Selbstbewusstsein war so ziemlich am Boden. Das merkten auch die Kinder und es trug nicht gerade dazu bei, dass sie sich mehr zur Mutter hingezogen fühlten. Das Gegenteil war der Fall. Ulrikes Unsicherheit und ihre Hilflosigkeit verunsicherte auch die Kinder. Sie waren in einem Alter, in dem sie Stabilität brauchen und die fanden sie im Moment eher beim Vater.

Pünktlich um 18.00 Uhr hielt Markus´Wagen vor dem Haus. Die Kinder hatten ihn sofort erspäht und waren mit einem flüchtigen „Tschüss Mama“ aus dem Haus. Ehe Ulrike sich versah, war sie allein. Jetzt hatte sie noch eine Stunde Zeit zum Duschen und umziehen und dann war sie auch schon auf dem Weg zu Bettina. Das Essen war gut und auch Restaurant hatte Stil. Bettina hatte einen erlesenen Geschmack was Restaurants und Bars anging. Heute brauchte sie sich allerdings über die hohe Rechnung keine Sorgen zu machen, denn Bettina hatte sie eingeladen. Es war wirklich nett von Bettina, diesen Abend mit ihr zu verbringen, doch Ulrike war trotzdem in schlechter Stimmung. Sie fühlte sich in diesen Restaurants und Bars einfach fehl am Platz, denn ihr Leben waren der Haushalt und die Kinder. Alles andere gehörte einfach nicht zu ihrem Leben. Sie konnte diesen Abend einfach nicht genießen und war froh, als er endlich zu Ende war. Zu tief trauerte sie ihrem alten Leben nach. An den einsamen Abenden gönnte sich Ulrike öfter mal ein Glas Wein zu viel und trank hier und da auch mal einen Whisky dazu. Natürlich trank sie nicht am Tag, aber es ist trotzdem leicht, die Grenze zur Abhängigkeit zu überschreiten. Ulrike kannte zwar die Gefahren des Alkohols aber nicht immer war ihr das so bewusst. Auch die abendlichen Naschereien hatten in der letzten Zeit wieder zugenommen, so dass Ulrike jetzt von Kleidergröße 42 auf Kleidergröße 44 zusteuerte. Vor ihrer Ehe hatte sie rund 15 Kilo weniger gewogen und passte in Konfektionsgröße 38 bis 40. Ab und zu jedoch wurde das alles Ulrike wieder deutlich bewusst und sie schwor sich, daran zu arbeiten. Doch diese Momente waren dann leider bald wieder vorbei, denn Ulrike war von dem, was ihr passierte psychisch so angegriffen, dass sie oft nicht die Kraft hatte, dagegen zu kämpfen.
Auch jetzt nahm ihr dieses lange Wochenende wieder die ganze Kraft. Die Einsamkeit und auch die Ungewissheit zermürbten sie. Die Kinder fehlten ihr und sie vermisste ihr altes Leben mehr den je. Bettina riet ihr dazu eine Psychotherapie zu machen oder sich mit Frauen zusammen zu tun, die das gleiche Schicksal durchlitten wie Ulrike. Doch der Gedanke daran, dass es andere Frauen in ähnlicher Situation gab, machte Ulrike auch nicht glücklich. Überglücklich wollte Ulrike ihre Kinder am Sonntag Abend in die Arme schließen, doch sie wehrten diese überschwängliche Begrüßung ab. Ulrike gegenüber waren sie im Moment sehr verschlossen.


Noch 8 Wochen, dann musste Ulrike aus ihrem Haus ausziehen. Sie begab sich auf Wohnungssuche und stellte fest, dass es schwierig war, eine vernünftige Wohnung zu finden, wenn man keinen anständigen Beruf ausübte. Zwar bekam sie Unterhalt, doch den bekam sie nur für ein Jahr. Also nahm Ulrike viele Besichtigungstermine wahr und bekam genau so viele Absagen. Auch das Arbeitsamt suchte sie auf, da sie sich dort als arbeitssuchend meldete. Bei einer Wohnungsbaugesellschaft hatte sie Glück. Sie fand eine Wohnung im sozialen Wohnungsbau, die sie normaler Weise nie in Erwägung gezogen hätte. Zum einen lag diese Wohnung mitten in einem sozialen Brennpunkt zum anderen war der ganze Wohnblock ziemlich herunter gekommen. Doch ehe sie auf der Straße saß, mietete sie lieber diese Wohnung im achten Stock eines Mietshauses. Jetzt musste sie nur noch den Kindern diese neue Wohnung schmackhaft machen. Innen war die Wohnung sogar ganz akzeptabel. Schön war auch der Balkon und praktisch waren die vielen Einbauschränke. Sogar eine Einbauküche gehörte zur Wohnung. Das Bad war klein aber mit Badewanne und Fenster vollkommen ausreichend. Heute unterschrieb Ulrike den Mietvertrag für die Wohnung und konnte auch gleich den Schlüssel mitnehmen. Gleich nach der Schule wollte sie mit den Kindern dort hinfahren und die Wohnung besichtigen. Die beiden waren etwas zurückhaltend, als Ulrike ihnen die Wohnung zeigte. „Warum sind denn da unten so viele Briefkästen und Klingeln kaputt,“ fragte Stefanie als sie durch den Hausflur gingen. „Das sieht hier unten aber ganz schön schmutzig aus,“ war alles, was Johannes dazu sagte. Die Wohnung war hell und freundlich aber der Weg dort hin durch den Hausflur, der war den Kindern richtig unheimlich. Auch das belastete Ulrike wieder. Natürlich war der Weg zur Schule und zur Vorschule jetzt sehr weit. Ihre Freunde würden die beiden auch nicht mehr so oft einladen können. Trotzdem hoffte Ulrike, dass alles gut gehen werde. Sie wollte sich bemühen, ihren Kindern auch hier ein schönes zuhause zu schaffen.

Eines morgens erhielt Ulrike eine Vorladung von Jugendamt und einen Termin beim Familiengericht. Schon wieder saß Ulrike bei ihrem Rechtsanwalt. Dieser klärte sie darüber auf, dass Gerichte und Jugendämter immer zum Wohle der Kinder entscheiden und nicht über die Rechte der Eltern. Beim Jugendamt wurden nach einen kurzen Gespräch mit Ulrike beide Kinder einzeln befragt. Ulrike durfte bei diesen Gesprächen nicht dabei sein. So erfuhr sie nicht was die Kinder sagten, sondern ein Bericht wurde an das Familiengericht geschickt.

Es war jetzt Ende März und der ganze Hausrat wurde geteilt. In der kleinen Wohnung ließ sich nur ein Teil der Möbel unterbringen, die Ulrike zustanden, so musste sie einiges zurücklassen. Auch die Kinder konnten nicht alle ihre Möbel unterbringen, denn die neuen Kinderzimmer waren erheblich kleiner. Bettina und ihr Freund halfen kräftig beim Umzug. Ulrikes Eltern hüteten derweil die Kinder. So gern die beiden Oma und Opa besuchten, viel lieber wären sie bei ihrem Vater gewesen. Das fiel auch den Großeltern schmerzlich auf. Auch sie litten unter der Trennung, denn so verzweifelt hatten sie ihre Tochter noch nie erlebt. Auch Ulrikes häufiger Alkoholkonsum und die konstante Gewichtszunahme bereitete ihnen große Sorgen.

Der Umzug war, wenn auch mit Tränen und großen Schwierigkeiten, einigermaßen bewältigt und schon kam der Gerichtstermin beim Familiengericht. Ulrike war blass, fahrig und unsicher. Sie kleidete die Kinder an und musste sich ein Lächeln regelrecht abringen. Die Kinder hatten an diesem Tag schulfrei und waren beide guter Dinge. Im Gegensatz zu Ulrike waren beide gut gelaunt, weil sie ja auch heute ihren Vater außer der Reihe wieder sehen durften. Als Ulrike das Gerichtsgebäude betrat, wartete am Eingang ihr Anwalt auf sie. So ersparte sie sich die Sucherei nach dem richtigen Saal. Auch die gegnerische Partei war schon anwesend und die Kinder rannten auf ihren Vater zu, sobald sie ihn sahen. Sie umarmten ihn und begrüßten auch die junge, blonde Frau, die dort neben ihm saß sehr herzlich. Fünfzehn Minuten warteten beide Parteien vor dem Saal. Ulrike wäre am liebsten davon gelaufen, so schlecht und unsicher fühlte sie sich. Der Anblick von ihrer Nachfolgerin trug nicht gerade dazu bei, ihr Selbstbewusstsein zu heben. Ulrike fühlte sich jetzt mehr denn je alt und minderwertig. Markus Neue war jung, höchstens 25 Jahre alt, schlank und eine richtige Schönheit mit ihren blonden langen Locken. Endlich wurden sie hineingerufen. Die Kinder durften draußen bleiben. Ein Angestellter des Gerichts kümmerte sich um sie, denn der Richter wollte sie in einem separaten Raum befragen. Sie sollten frei entscheiden und nicht von den Blicken der Eltern belastet werden.

Die beiden Parteien nahmen im Gerichtssaal Platz und Markus´Anwalt brachte als erster sein Anliegen vor, seinem Mandanten das alleinige Sorgerecht zu übertragen. Großzügig räumte er ein, dass man der Mutter eine vierzehntägiges Besuchsrecht gewähren wolle. Als Begründung gab er an, dass dieses der Wunsch der Kinder sei. Sie seien sowieso aus ihrer gewohnten Umgebung herausgenommen worden und fühlen sich in der neuen Wohnung nicht wohl. Außerdem habe der Vater eine neue Partnerin, die Gräfin Katharina, Sophia von Ammeroth, die sich gut und gern um die Kinder kümmern werde.

Als nächstes sprach Ulrikes Anwalt. Ulrikes Anwalt gab an, dass die Kinder bei der Mutter besser aufgehoben seien, da diese von Anfang an die wichtigste Bezugsperson der Kinder gewesen sei. Sie habe ihre Kinder immer bestens versorgt.
Der Richter unterbrach nun die Verhandlung, um in einem separaten Raum selbst mit den Kindern zu sprechen. Die anwesenden Parteien blieben so lange im Gerichtssaal auf ihren Plätzen. Ulrike war blass und ihre Hände zitterten. Die Angst krallte sich wie eine eisige Hand in ihre Brust, so dass ihr Herz begann immer schneller zu rasen. Ihre Hände zitterten und kalter Schweiß stand auf ihrer Stirn. Sie nahm ein Taschentuch und wischte sich das Gesicht ab. Sie vermied es zur gegnerischen Partei hinüber zu schauen, denn diesen Anblick hätte sie jetzt nicht ertragen. Am liebsten wäre sie auf der Stelle aus dem Gerichtssaal geflohen, um sich dann irgendwo zu verkriechen. Ulrike war mit dieser ganzen Situation einfach überfordert und viel zu schwach, um zu kämpfen.

Nach fünfzehn Minuten kam der Richter zurück. Er teilte beiden Parteien nun seine Standpunkte mit. Außerdem las er den Bericht des Jugendamts vor. Daraus ging hervor, dass die Mutter einen sehr fahrigen und unsicheren Eindruck hinterlasse. Ebenso hatten die Kinder den Wunsch geäußert erst einmal beim Vater zu wohnen. Auch dem Richter gegenüber hatten sie diesen Wunsch geäußert. So kam der Richter zu dem Schluss, dass es dem Wohl der Kinder diene, wenn sie erst einmal zum Vater zögen und dieser dann das alleinige Sorgerecht bekäme.. Der Mutter sprach er ein vierzehntägiges Besuchsrecht zu. In einem halben Jahr sollte dann die ganze Angelegenheit noch einmal neu überprüft werden. Bis dahin solle die Mutter eine Therapie besuchen und sich einem psychologischen Gutachten unterziehen. So bekam Markus das alleinige Sorgerecht für die Kinder und diese durften ab sofort bei ihm wohnen. Das war mehr, als Ulrike ertragen konnte, doch sie musste sich jetzt zusammen nehmen, sonst würde sie ihre Kinder ganz verlieren. Wie in Trance saß Ulrike da und ihr Anwalt musste sie, als die Verhandlung beendet war, aus dem Saal führen. Markus gab zu verstehen, dass er noch am gleichen Tag die Kinder abends um 18.00 Uhr abholen werde. Bis dahin sollten die Sachen gepackt sein. Ulrike war kaum fähig noch etwas zu tun. Wie gelähmt saß sie zu Hause auf ihrer Couch und war kaum fähig den Kindern auf ihre Fragen eine Antwort zu geben. Sie teilte ihnen nur mit, dass ihr Vater sie um 18 Uhr abholen werde. Erst um 16.00 Uhr war Ulrike so weit, dass sie wieder etwas tun konnte. Mit Tränen in den Augen packte sie die Sachen ihrer Kinder. Für jedes packte sie einen Koffer und zwei Reisetaschen. Die Kinder waren richtig aufgekratzt, denn sie freuten sich darauf, dass sie ihren Vater jetzt täglich sahen. An den Kummer ihrer Mutter dachten sie nicht, denn sie waren in einem Alter, in dem sie noch den Weg des geringsten Widerstandes gingen. Ulrike versuchte, sich ihren Kummer nicht anmerken zu lassen. So waren die Kinder fröhlich und gut gelaunt, als Markus sie um 18.00 Uhr abholte. In den nächsten 14 Tage war Ulrike einsam und trauerte mehr denn je um ihr ehemaliges Leben. Sie war sich nun bewusst, das dieses bisherige Leben nun endgültig vorbei war und nie mehr wiederkam. Ein neues Leben hatte begonnen. Ein neues Leben das sie gar nicht so wollte und deshalb auch nicht so annehmen konnte und wollte. Ulrike begann mit einer Therapie und besuchte eine Selbsthilfegruppe. In der Selbsthilfegruppe lernte sie auch andere Frauen kennen, denen es schlecht ging weil sie betrogen worden waren. Doch so tief wie sie war keine von ihnen gefallen. Woran lag das. Lag es an ihr oder war es einfach nur Pech? Vielleicht war es damals dumm gewesen diese Verträge zu unterschreiben. Doch wer denkt in einer jungen Ehe mit zwei kleinen Kindern schon an Trennung? Einige Frauen aus der Selbsthilfegruppe waren davon überzeugt, dass Ulrike zu viele Fehler gemacht habe. Man muss immer an das Schlimmste denken, sonst verliert man alles und es fehlt einem die Kraft zum kämpfen. Das lernte sie nun von den anderen Frauen. Sie fühlte sich nun noch schlechter und minderwertiger. Natürlich wusste sie, dass die Frauen aus der Selbsthilfegruppe recht hatten, doch das nützte Ulrike nun auch nichts mehr. Sie würde keine zweite Chance bekommen, wieder in ihr ehemaliges Leben einzusteigen. Gut, vielleicht würde die Zukunft ihr Chancen bieten die sie nutzen konnte. Doch nichts konnte sie über den erlittenen Verlust hinwegtrösten. Auch die Therapie verbesserte ihre Situation nicht. Die Therapeutin arbeitete darauf hin, dass Ulrike ihr neues Leben annahm und schätzen lernte. Sie wollte Ulrike die Einstellung vermitteln, dass sie das Ganze als neue Chance nutzen sollte. Nein, Ulrike wollte das neue Leben einfach nicht akzeptieren. Sie wollte ihr altes Leben zurück. Aus diesem Grund wehrte sie sich gegen alles, was ihr in der Selbsthilfegruppe und in der Therapie vermittelt wurde. Auch die Kontakte zu Bettina wurden weniger. Zum einen Teil lag es daran, dass Bettina in den letzten Monaten oft beruflich unterwegs war, es lag aber auch daran, dass Ulrike sich selbst oft abkapselte und zu Depressionen neigte. Ulrike träumte noch immer von ihrem alten Leben und träumte davon, dass es eines Tages zu ihr zurückkehrte. Sie wollte und konnte sich mit einem anderen Leben nicht abfinden. In den nächsten drei Monaten besuchten Stefanie und Johannes ihre Mutter alle vierzehn Tage. Danach wurden die Besuche seltener und kürzer. Das lag zum einen daran, dass die Armut der Mutter sie abstieß. Auch das depressive und fahrige Verhalten der Ulrikes befremdete die Kinder. Und so ließen sie sich an den Besuchswochenenden oft wegen Krankheit entschuldigen. Auch das Sorgerecht blieb nach Ablauf des halben Jahres beim Vater, da das Gutachten auf Depressionen hinwies. So verging das Trennungsjahr, in dem Ulrike ihre Kinder immer weniger sah. Tröstend fand sie es immer, wenn sie abends einige Gläser Wein trinken konnte. Sie trank nie am Tag, aber abends gönnte sie sich immer einige Gläser Wein, manchmal sogar eine ganze Flasche. Finanziell ging es ihr schlecht, denn die Wohnung war für sie allein zu teuer, doch sie hoffte noch immer, dass die Kinder bald wieder zu ihr kämen. Auch eine Stelle hatte sie noch nicht gefunden. Ob es an ihrem Äußeren lag oder an ihrer jahrelangen beruflichen Pause, das konnte man nicht genau sagen. Es war halt so , dass sie ständig Absagen bekam.

Eines Tages holte Ulrike einen Brief vom Amtsgericht aus dem Briefkasten. Es war die Vorladung zu ihrem Scheidungstermin. Dieser Termin verursachte, dass Ulrike wieder tagelang in schwere Depressionen fiel. Ihr Wein und häufige Naschereien sollten ihr über den Kummer hinweghelfen. Ulrike trug jetzt Konfektionsgröße 46. Sie sah wesentlich älter aus als 41 Jahre. Wer sie nicht kannte, der hätte sie auf mindestens fünfzig geschätzt. Und noch etwas hatte sich verändert. Aus der ehemaligen pedantisch sauberen Hausfrau ist eine Frau geworden, die im Haushalt nur noch das Nötigste machte. Dafür begann sie damit, vieles zu sammeln. Sie sammelte leere Verpackungen, Zeitungen, Plastiktüten aber auch Dinge die sie im Sperrmüll und auf der Straße fand. Ulrike konnte vieles gebrauchen. Alle diese Gegenstände gaben ihr ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Außerdem hatte sie etwas zu tun, wenn sie durch die Straßen ging und schaute, was man alles so finden konnte. Ulrike war so fast den ganzen Tag unterwegs und kam abends mit ihren Schätzen heim. Sie hatte nun das Gefühl, dass ihre Tage ausgefüllt waren und jeden Abend freute sie sich schon auf den nächsten Tag.Endlich hatte sie ihr neues Leben gefunden. Die Räume füllten sich langsam mit den gesammelten Gegenständen, aber sie hatte ja genug Platz, denn die Kinder brauchten ihre Kinderzimmer nicht. So wie sie früher pedantisch aufgeräumt hatte, so stapelte sie heute die Gegenstände in ihrer Wohnung. Zuerst füllten sich die Kinderzimmer, dann kam der Hausflur dran. Wenn sie so weiter sammelte, dann hätte sie in wenigen Monaten die ganze Wohnung gefüllt.

Heute war der Scheidungstermin.. Ulrike betrachtete sich das erste Mal sein langer Zeit wieder im Spiegel. Ein ihr fast fremdes Gesicht schaute ihr entgegen. Strähnige, ziemlich ergraute Haare, die schon lange nicht mehr nachgefärbt wurden, rahmten ein aufgedunsenes, teigig weißes Gesicht ein. Ulrike ging an ihren Kleiderschrank und stellte fest, dass sie die Schranktüren fast nicht auf bekam. Das lag an den vielen Kisten und gefüllten Plastiksäcken die davor standen. Nun hatte sie große Mühe den diese Berge so wegzuräumen, dass sie die Schranktüren öffnen konnte. Endlich war es geschafft und Ulrike suchte ein für den Anlass passendes Kleid aus. Doch alle ihre Kleider waren ihr eine Nummer zu eng geworden. Manche bekam sie gar nicht mehr zu, andere waren so eng, dass sie sich kaum noch bewegen konnte. Sie entschied sich für ein blaues Kleid, das sich noch zuknöpfen ließ aber schon überall spannte. Jetzt wollte sie es ihm nochmal richtig zeigen, dem lieben Markus, dachte sie. Anschließend stand sie vor dem Spiegel und schminkte sich. Sie sah jetzt angemalt aus, denn der Lidschatten war etwas zu blau, der Lippenstift einige Nuancen zu rot und an den Rändern etwas verschmiert. Aber Ulrike sah sich anders. Mit langsamen aber zielstrebigen Schritten ging Ulrike die langen Flure im Gerichtsgebäude entlang. Sie musste etwas suchen bis sie den richtigen Gerichtssaal gefunden hatte. Die beiden Anwälte und Markus standen schon vor der Tür des Verhandlungsraumes. Markus sah blendend aus, als wäre er gerade aus einem der modernen Männermagazine gestiegen. Er trug einen modernen, teuren Anzug und man roch sein edles Parfum schon in einigen Metern Entfernung. Die Verhandlung war reine Routine, eigentlich eine Farce, dachte Ulrike. Die Scheidung wurde sofort rechtskräftig ausgesprochen, denn es gab keinen Grund mehr diese Ehe noch aufrecht zu erhalten. Nach dem Ende der Verhandlung ging Markus ohne Ulrike auch noch einmal anzuschauen mit seinem Anwalt davon. Ulrike verließ das Gerichtsgebäude allein. Sie war schon ganz gespannt darauf, welche Dinge sie heute noch finden würde. Ihre Sammelleidenschaft hatte sie mal wieder so richtig gepackt.

Vier Wochen später fand sie eine Zeitung in einem Papierkorb, die natürlich auch gleich in ihren Beutel packen wollte. Die Zeitung war fast wie neu, also durchaus sammelwürdig dachte Ulrike. Ein Foto ihres Mannes auf der Titelseite ließ sie einen Moment stutzen. Das Foto war über eine halbe Seite groß und zeigte Ihren Mann, seine Geliebte, ihre Kinder und die Zwillinge, die jetzt vier Monate alt waren. Die Überschrift des Fotos lautete:

Fürstliche Hochzeit im Hause der Grafen von Ammeroth!

Für einen Moment hielt Ulrike inne und betrachtete das Bild. Doch schon hatte sie die Zeitung in die Tasche gesteckt und war auf der Suche nach neuen aufregenden Dingen.





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